Friedensmahnung im Schatten des Heldengedenkens?

Friedensmahnung im Schatten des Heldengedenkens?

ein festes Ritual gestaltet: Repräsentant*innen von Staat, Kirche, Bürgervereinen, Feuerwehr und Bundeswehr versammeln sich. Es gibt Musik. An Kriegerdenkmälern, die oft der Verklärung des soldatischen Opfertodes dienen, werden Kränze abgelegt und dazu den “Opfern von Kriegen und Gewaltherrschaft” gedacht. Auch wenn sich der Inhalt der Reden in den letzten zwei Jahrzehnten gewandelt hat, bleiben Fragen:

–  Opfer und Täter, Trauer und Schuld – was sind die Elemente einer Kultur des Gedenkens?

–  Kann man die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus gemeinsam ehren mit Männern, die als Soldaten der Wehrmacht auch Täter waren?

–  Ist ein kollektives Ritual mit einer problematischen Sinnstiftung für die persönliche Trauer um einen im Krieg getöteten Menschen hilfreich oder eher hinderlich?

–  Und was könnten und würden uns die Toten sagen, wenn wir sie hören würden?

Pastor Ulrich Hentschel war lange Jahre Studienleiter für Erinnerungskultur der Evangelischen Akademie der  Nordkirche. Er führt sachkundig in das Thema ein und stellt Möglichkeiten eines anderen Umgangs mit dem Volkstrauertag zur Diskussion.

 

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3 Comments

  1. Aus dem 5-Seiten-Text von Ulrich Hentschel zitiere ich diese Frage:
    “Wir fragen uns: Wie konnte das Unvorstellbare geschehen? Wie konnte sich aus der Zivilisation in
    kurzer Zeit die Barbarei erheben?”

    ….und hier mein Vorschlag für eine Antwort.:

    Eingedenk des Glaubens, dass der Schöpfer nicht nur in biblischen Zeiten “schöpferisch tätig war”, sondern auch in der Gegenwart direkt, kann – ebenso wie zur derzeitigen Corona-Pandemie – davon ausgegangen werden, dass Gott ” seine Hand im Spiele hatte”.

    • Vielen Dank für Ihren “Vorschlag für eine Antwort”, dem ich aber nicht folgen kann. Wenn es einen Gott gibt, der bei der Nazi-Barbarei “schöpferisch … seine Hand im Spiel” hatte, dann mag es eine germanische Gottheit gewesen sein, aber gewiß nicht der biblische G”tt. Aber beides wäre doch zu einfach und entlastend von unserer und unserer Vorfahren Verantwortung. Antworten auf die Frage nach der Barbarei zu suchen, das müssen wir wohl selber tun.

    • Lieber Herr Friedrich,
      wenns so wäre, dass ein Gott in allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens seine Hand im Spiel hat, dann wär ich beruhigt. Dann könnt ich die Beine langmachen und dem lieben Gott unser aller Schicksal überlassen. So aber muss ich nun doch am Mittwoch mit dem Friedensaktivisten Detlef M. von der Deutschen Friedensgesellschaft bei miesem Wetter zur nächsten Antikriegs-Mahnwache zum Fliegerhorst Jagel fahren. Denn von dort geht Krieg aus, modern geführter logistisch-digitalisierter Krieg. Weiß das Gott überhaupt?

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